Der Fall Hubertus Knabe: „Was sein muss, muss sein.“

„Was sein muss, muss sein“, kommentierte Dieter Dombrowski die viel diskutierte Entlassung des Leiters der Gedenkstätte Hohenschönhausen, Hubertus Knabe. Die Gedenkstätte ist die ehemalige Untersuchungshaftanstalt der Stasi.

Dieter Dombrowski ist Mitglied des Stiftungsrates der Gedenkstätte. In seinem Referat im Bürgerbüro Andreas Statzkowski machte er deutlich, dass die Kündigung unvermeidlich war, weil Knabe nicht rechtzeitig und entschieden genug gegen seinen Stellvertreter Helmuth Frauendorfer vorgegangen sei. Frauendorfer werden sexuelle Übergriffe auf Mitarbeiterinnen der Gedenkstätte vorgeworfen.

„Herr Knabe ist ein Top-Historiker, aber als Leiter muss er auch im Verwaltungsbereich vorbildlich handeln.“ Und das hat er nach Ansicht Dombrowskis nicht getan: „Vertreter des Stiftungsrates und des Vorstandes haben sich gefragt, ob sie noch Vertrauen zu Knabe haben könnten. Alle haben NEIN gesagt,“ so Dombrowski in seinem Referat.

Dieter Dombrowski, der neben seiner Mitgliedschaft im Stiftungsrat auch Bundesvorsitzender der Union der Opferverbände der kommunistischen Gewaltherrschaft (UOKG)ist, kennt die Vorgänge in der Gedenkstätte bestens. „Was dort passiert ist, hat mich vollständig verändert. Wo Menschen in Ihrer Würde angekratzt werden, bin ich nicht kompromissbereit.“

Schwächen in der Führung der Gedenkstätte

Hubertus Knabe wurde schon nach den ersten Vorwürfen gegen seinen Stellvertreter Helmuth Frauendorfer mitgeteilt, dass er keine Volontäre mehr zugeteilt bekomme. Trotzdem: „Im Januar 2017 hat Herr Knabe beim Kultursenator verlangt, wieder weibliche Volontäre zu bekommen. Unter der Auflage, diese nicht im Bereich des Stellvertreters einzusetzen, ist das genehmigt worden,“ erklärte Dombrowski. Daran habe Knabe sich aber nicht gehalten. Im Dezember 2017 gab es dann erneut Beschwerden gegen seinen Stellvertreter wegen sexueller Belästigung einer Volontärin. Weiter wird Hubertus Knabe u.a. vorgeworfen, er habe es versäumt, eine Frauenbeauftrage zu berufen, obwohl er dafür zuständig gewesen sei. 

Allen Problemen zum Trotz, war für Dombrowski eines positiv: Durch die Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit seien jetzt z.B. Ralph Brinkhaus, Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und die SPD-Vorsitzende Andrea Nahles auf die Probleme der Gedenkstätte und der Opferverbände aufmerksam geworden und hätten sich damit verstärkt befasst.

Dieter Dombrowski, wurde in Ost-Berlin geboren, leistete den Grundwehrdienst in der Nationalen Volksarmee ab und wurde wegen „ungesetzlichen Grenzübertritts“ und „staatsfeindlicher Verbindungsaufnahme“ 1974 in Schwerin zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. 20 Monate davon musste er verbüßen.  „Das alles gehört auch zu unserer Geschichte und wir müssen mit unseren Erklärungen einen Beitrag zur Aufarbeitung leisten. Das ist gut und wichtig.“ Und: „Menschenrechtsfragen waren immer schon meins – und sie werden es bleiben.“

Dem Referat schloss sich eine lebhafte, teilweise sehr emotional geführte Diskussion an.

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