Lässt Senat Vereine im Abseits stehen?

Der Olympiapark muss attraktiver werden: So die einhellige Meinung der Podiumsgäste, die MdA Andreas Statzkowski zum Gedankenaustausch geladen hatte. Allerdings müsse noch viel getan werden, um Gebäude zu sanieren und Schwachpunkte des Parks zu beseitigen. Zum Thema “Zukünftige Nutzung und Gestaltung des Olympiaparks – ein Platz für ein neues Fußballstadion?“ hatten bekannte Vereinsvertreter, Sportfunktionäre und Anwohner im Olympiapark diskutiert. Und alle waren sich in einem weiteren Punkt einig. Ein neues Stadion soll es im Olympiapark nicht geben.

In der Gesprächsrunde, die der Westender CDU-Abgeordnete Andreas Statzkowski leitete, wurde schnell deutlich, warum es im Park kein neues Stadion geben könne. „Das Thema ist vom Tisch“, betonte Johannes Zurl von der Eigenheimsiedlung Ruhleben. „Es gab ein klares Votum. Hertha BSC hat, das nicht gehört. Warum soll man jetzt noch darüber reden?“  Und so fand diese Diskussion ein schnelles Ende, auch weil die Podiumsteilnehmer andere Schwerpunkte setzten.

Jendrik Grundlach, Vizepräsident für Sportinfrastruktur im Landessportbund Berlin: „Alle Plätze im Olympiapark müssen besser genutzt werden“. Und man brauche hier dringend jeden Quadratmeter. Auch falls Hertha BSC das Gelände verlassen sollte.

Denis McGee, 1. Vorsitzender Berliner Rugby Club e.V.: „Sicherlich ist Fußball in Berlin ein großer Faktor und er braucht auch das Gelände. Aber es sollte doch mehr Raum für andere Sportarten geben.“

Hans-Joachim Fenske, Präsidiumsmitglied Bezirkssportbund Charlottenburg-Wilmersdorf: „Die Sportstadt Berlin hat kein gutes Image. Aber zum Beispiel im Sommerbad sind die Wasserzeiten für Sportler rar. Ich wünsche mir auch deshalb ein 360-Tage-Bad.“

Johannes Zurl, Eigenheimsiedlung Ruhleben: „Wir müssen aufpassen, dass es nicht noch mehr Großveranstaltungen gibt, die Kapazität dafür ist ausgeschöpft.“

Andreas Hilmer, Präsident Bezirkssportbund Charlottenburg-Wilmersdorf: „Wir haben gerade erst von einer Studie erfahren, die der Senat zum Olympiapark durchführt. Allerdings werden weder Vereine noch Fachverbände einbezogen.“

Andreas Statzkowski ergänzte, dass man auch ohne große Studie dem Senat sagen könne, dass der Sport in ganz Berlin großen Bedarf habe und das baulich - - gerade im Olympiapark – Vieles im Argen liege. „Eine solche Studie ist eine teure Form der Bedarfsanalyse. Besser wäre es, Verbände und Vereine zu beteiligen und dann an die Umsetzung zu gehen.“

Ideen dazu hatte die Runde. Dazu gehörte auch, dass mehr Sporttreibende den Olympiapark nutzen sollen. Allerdings ist das nicht ganz einfach. Es fehlt an Umkleidekabinen, Toiletten und Duschräumen. Auch an Sportplätzen. Da kam die Information von Andreas Statzkowski, dass es bald zwei Kunstrasenplätze geben wird – einen für Rugby, einen für Hockey – beim interessierten Publikum gut an.

Andreas Hilmer berichtete vom „Sport im Park-Konzept“ des Berliner Senats. Vereinsunabhängig können Personen vom Mai bis August kostenlos Sport in 30 Berliner Parks betreiben – auch im Olympiapark und dort z.B. an Nordic-Walking-Kursen teilnehmen.

Sportkompetenzzentrum installieren

Aber das allein reicht nicht aus. So forderte Jendrik Gundlach mehr Aktivitäten. „Dazu müssen die Vereine und Fachverbände gefragt werden, was sie benötigen. Es wäre gut, ein Sportkompetenzzentrum zur Unterstützung zu installieren.“ Zudem wies er darauf hin, dass Veranstaltungen für den Breitensport nötig seien.

Zahlreiche Schwachpunkte

Die Schwachpunkte im Park sind seit langem bekannt. Es fehle eine Sporthalle im Olympiapark. Im Familienbad quaken die Frösche. Nachdem 1994 die Briten das Gelände verlassen hatten, wurde wenig getan. Und so ist es seit Jahren nicht mehr nutzbar. Das Sommerbad ist marode und dringend sanierungsbedürftig. Gerade, weil viele Kinder heutzutage nicht schwimmen können, sei hier der Bedarf besonders groß. Das Forum - Bad reiche so nicht aus. Die Wasserfreunde Spandau 04 benötigen für das Bad eine temporäre Hülle im Winter.

Auch das Reiterstadion fristet ein trübes Dasein. „Seit dem Film mit Willy Birgel ‚…reitet für Deutschland‘ ist hier nicht mehr viel passiert“, so eine Bemerkung aus dem Publikum.

Andreas Statzkowski ärgerte sich, dass das Sportmuseum noch immer keine Ausstellungräume hat. Am Glockenturm, unter den Maifeldtribünen, sollten die umfangreichen Sammlungen einen Platz bekommen. Diese Planungen hat der Senat nun aus Kostengründen erst einmal auf Eis gelegt.

Nutzungsvorbehalt für den organisierten Sport

Aus der intensiven Diskussionsrunde ergaben sich zahlreiche Forderungen für die zukünftige Nutzung und Gestaltung des Olympiaparks.

Optimale Nutzung aus vielen sportlichen Bereichen mit Nutzungsvorbehalt für den organisierten Sport

Erhalt der Fläche des Reitervereins Maifeld

Bau des Sportmuseums

Bau einer Sporthalle in den Olympiapark

Die Senatsverwaltung muss besseren und intensivieren Kontakt zu Vereinen und Fachverbänden aufbauen

Es muss finanzielle Planungssicherheit geben, ohne Abstriche bei schlechterer Haushaltslage

Schnellere Umsetzung der Pläne, u.a. durch den Entwurf von Typenbauhallen

 

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