Teufelsberg soll „lebendiges Denkmal“ werden

Erreicht werden soll dies unter anderem durch die Öffnung des Turms sowie die Schaffung eines Kulturzentrums. Auch soll die alte Kantine der Alliierten weder hergestellt werden. Diese Pläne erläuterte Dr. Dustin Schütte beim Diskussionsabend zur „Zukunft des Teufelsberges“, zu dem Andreas Statzkowski in sein Bürgerbüro geladen hatte. 


Den Abend eröffnete Reinhold Hartmann, Vorsitzender des CDU-Ortsverbandes Grunewald-Halensee, zusammen mit Andreas Statzkowski.

Aus der Geschichte Berlins resultiert eine einmalige Verantwortung der Stadt für den Umgang mit ihren historischen Stätten. Darüber waren sich die Referenten und interessierten Bürger einig.

Stefan Evers, Generalsekretär der Berliner CDU und stadtentwicklungspolitischer Sprecher seiner Fraktion, verwies zunächst auf den generellen Umgang des Berliner Senates mit dem historischen Erbe Berlins. Er monierte, dass beispielsweise die aktuelle Debatte um den Checkpoint Charlie Ausdruck eines Verlustes um die Entwicklungshoheit Berlins über seine historischen Orte darstellt. Die Frage, wie Berlin in Zeiten des Wohnungsnotstandes, neuer Mobilitätskonzepte und den klimatischen Herausforderungen mit seinen „identitätsstiftenden Orten“ umgeht, sei noch nicht abschließend geklärt.

Andreas Statzkowski: „Teufelsberg spiegelte politischen Stillstand wider“

Besonders deutlich wird dieser Umstand, wenn man die jüngere Geschichte des Teufelsbergareals betrachtet. Der Trümmerberg, der nach dem Zweiten Weltkrieg auf den Ruinen der Wehrtechnischen Fakultät angehäuft wurde, weckte schnell das Interesse der Alliierten und wurde als Abhörstation genutzt. Noch heute prägen die Radome (Antennenkuppeln) der Radaranlage die Silhouette Berlins. Neben einer sportlichen Episode, dem Ski-Weltcup 1986, erlangte das Areal 1996 wieder Aufmerksamkeit, als das Gelände nach dem Abzug der Alliierten vom Berliner Senat an die Investorengemeinschaft Teufelsberg GBR verkauft wurde. Das Scheitern einer touristischen Erschließung des Areals, u. a. durch ein Hotel und ein Parkhaus, sowie durch einen Aussichtsturm, ließen es zunächst ruhig um das Gelände werden. Ein Zustand der sich auch in einem „politischen Stillstand“ widerspiegelte, wie Andreas Statzkowski berichtete.

220.000 für erste Instandsetzungen

Dr. Dustin Schütte, der die Pächter und die Eigentümer der Abhörstation am Abend vertrat, wusste noch einiges mehr zu erzählen. Die Investorengemeinschaft Teufelsberg GBR kaufte das Gelände 1996. Durch die lange Nichtnutzung galt es bereits damals als „lost Place“. Das gesamte Areal war stark vermüllt und litt fortwärend unter Vandalismus. Die Pächter investierten allein 220.000 Euro für die nötigsten Instandsetzungsarbeiten und die Müllentsorgung.

Zudem beklagte sich Schütte über die fehlende Einbeziehung der Eigentümer, wenn öffentlich über den Teufelsberg diskutiert wurde. Aber welche Vorstellungen für die Zukunft des Teufelsberges haben diese? Neben einzelnen Events und einer Streetart Galerie ist die Abhörstation aktuell in erster Linie eine Touristenattraktion, auch wenn der Turm mit dem markanten Radom momentan aus Brandschutzgründen (ein zweiter Fluchtweg ist nicht vorhanden) geschlossen ist. Die Öffnung des Turmes, die Schaffung eines Kulturzentrums mit Ateliers unter Einbeziehung der Streetart-Szene und eine Wiederherstellung der Kantine der Alliierten sind die mittelfristigen Ziele der Eigentümer. Entscheidend jedoch, gerade für die touristische Nutzung, ist das Konzept des „lebendigen Denkmals“. Allen Anwesenden war klar, dass das Hauptaugenmerk auf der Historie des Teufelsberges liegen muss, welcher seit dem 31.10.2018 unter Denkmalschutz steht. Somit ist eine mögliche museale Nutzung unter Einbeziehung verschiedener Vereine in Planung.

Realisierungspläne sind schwierig

Eine konkrete Realisierung der Pläne gestaltet sich jedoch aufgrund zahlreicher Faktoren als äußerst schwierig. Eine komplizierte Gemengelage aus Verordnungen (Brandschutz, Denkmalschutz), Beteiligung verschiedenster Akteure und Behörden (Eigentümer und Pächter, Berliner Forsten, der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf, das Land Berlin) und infrastruktureller Mängel (Wasser- und Stromversorgung) erschweren jegliches Handeln.

Auch wenn die Diskussionsveranstaltung eine große Deckungsgleichheit in Bezug auf die künftige Nutzung des Teufelsberges offenbart hat, liegt es in der Hand des Berliner Senates, welche Unterstützung man den Eigentümern und Pächtern des Areals zukommen lassen will.

Reinhold Hartmanns Hinweis: Um Bewegung in die Angelegenheit zu bringen wäre eine gezielte öffentlichkeitswirksame Kampagne der Pächter und Eigentümer über ihre Zielvorstellungen hilfreich.

Stefan Evers wies abschließend auf die Notwendigkeit hin, alle Beteiligten an einen Tisch zu holen. Dies könnte einer positiven Entwicklung des Teufelsberges dienen.

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