Olympiavorbereitungen mit besonderen Herausforderungen

„Es ist keineswegs leicht unter Pandemiebedingungen zu trainieren“, betont Karsten Finger, zuständig für den Leistungssport im Landessportbund (LSB) Berlin, während der digitalen Diskussion vom Bürgerbüro Andreas Statzkowski zur Olympiavorbereitung 2021 in Tokio. In Berlin gibt es insgesamt 450 Bundeskader im Einzugsgebiet des Olympiastützpunktes Berlin mit Sportlerinnen und Sportlern aus 37 verschieden olympischen und paralympischen Sportarten. Damit haben Sie Anspruch auf eine Betreuung mit Zugang zur Physiologie, Psychologie, Laufbahnberatung und medizinische Betreuung.

„Den Sportlern fehlt derzeit aber vor allem die Orientierung. Sie wissen durch die Corona bedingt fehlenden Wettkämpfe nicht, wo sie leistungsmäßig stehen“, erklärte LSB-Vizepräsident Finger die momentane Situation der Leistungssportler. Einige haben zwar die Olympia-Qualifikation bereits erreicht, andere müssen sie nun bei hoffentlich kommenden Wettkämpfen noch erreichen. Zudem war die Verschiebung der Olympischen Sommerspiele in Tokio aufgrund der Corona-Pandemie auf dieses Jahr für all diejenigen Athleten schwer, die eigentlich die geplanten Spiele im letzten Sommer zum Karriereende ins Auge gefasst hatten. Alles verzögerte sich somit um ein Jahr.

Stärkere Förderung für größten Olympiastützpunkt Deutschlands

Die Sportler schafften das, weil Olympiastützpunktleiter Dr. Harry Bähr die geänderten Rahmenbedingungen schnell umsetzten konnte: Also Trainingsmöglichkeiten, Trainingslager und Betreuung unter Hygienekonzepten für den größten Olympiastützpunkt in Deutschland erstellen. Das Problem dabei: „Gegenwärtig erhält der Olympiastützpunkt nicht die finanziellen Mittel, die er auf Grundlage der sportfachlich begründeten Anforderungen für die Betreuung der 450 Bundeskader benötigt. Es wird auch nicht unterschieden, ob sich an einem Olympiastützpunkt 19 oder nur 5 Bundesstützpunkte befinden.“ Fingers Wunsch wäre, dass das Bundesministerium des Inneren (BMI) die aus dem Exposé des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) kalkulierten Kosten komplett trägt. Im Haushalt besteht noch eine sechsstellige Lücke, betonte Finger. Und weitere Spitzenfachverbände drängen aufgrund der hohen Attraktivität mit ihren Bundesstützpunkten nach Berlin.

Andere Landesverbände zahlen mehr Gehalt für Trainer

Schwierigkeiten gibt es zudem, da gefragte Spitzen-Trainer von anderen Landesfachverbänden abgeworben werden. Dies ist nicht so einfach zu verkraften. So haben zwei Landestrainer es gerade vorgezogen in Potsdam zu arbeiten, da ihnen dort zwischen 500 und 700 Euro/Monat mehr an Gehalt gezahlt wird. „Die Bewerbungen auf unsere Stellen werden immer weniger und Spitzentrainer sind rar“, so Fingers Fazit. Ziel ist es das Gehaltsniveau der studierten Landestrainer an die der Studienräte anzupassen.

Im Sommer wird er in Tokio vor Ort sein. Aus den Erzählungen seines Sohnes, der 2019 an der Junioren-WM in Tokio im Doppelvierer bei den Ruderern teilnahm, kennt er die Ruder-Rennstrecke. Sie sei zwar windanfällig und je nach Situation habe sie auch zahlreiche Wellen, insgesamt aber sehe er aber gute Medaillenchancen für die Berliner. Er rechne mit etwa 20 deutschen Medaillen, bei den Ruderern, Kanuten, Wasserspringern und Leichtathleten könnten 7 davon von Berlinern errungen werden.

Berliner Olympiabewerbung wäre prima

Während der Olympischen Sommerspiele hat Karsten Finger sich etwas speziell vorgenommen. „Ich

möchte Werbung für die Hauptstadtregion machen.“ Der Hintergrund ist auch schnell klar, denn Karsten Finger fände es prima, wenn Berlin und Brandenburg sich für Olympia bewerben würden. „Wir haben fantastische Sportstätten und kurze Wege. Statt viel zu diskutieren, sollten wir ein Ziel ausgeben.“ Unter einer Bedingung: Land und Leute müssten auf jeden Fall dabei mitgenommen und das Konzept gut präsentiert werden.